SZENEN DER FRÜHE


Das Eine im Anderen

Wir von PODIUM Esslingen suchen Aufführungsformate, bei denen man sich nie ganz in Sicherheit vor der Musik wähnen darf: das Potential, dass sie einen von der Seite, von oben oder innen umhaut, dass sie einen spontan zum Tanzen bringt, ist stets da. Die emotionale Übergriffigkeit der Musik darf nicht in einer bürgerlich gezähmten Aufführungssituation neutralisiert werden.

Dies gilt umso mehr, wenn es um die Musik Robert Schumanns gehen soll. Als wir vom Heidelberger Frühling gefragt wurden, ausgehend vom jungen Schumann einen Abend zu gestalten, war schnell klar: wir wollen versuchen, die fragilen Zustände, die er als romantischer Komponist wie kein anderer musikalisch auszudrücken vermochte, in einem inszenierten Konzert nach außen zu kehren. Ein zunächst normal-anschaulich beginnender Kammermusikabend verliert – mit der Musik – seine Harmlosigkeit und beginnt sich szenisch und multimedial auszubreiten. Bei Schumann ist Musik, wie er sagt, „die höhere Potenz der Poesie“ – sie ist subtilste Beschreibung innerer Welten.

Die Welt- und Lebenssicht des Robert Schumann war stark geprägt von einem bi-polaren Leiden. So ist auch seine Musik – bei aller betörenden Schönheit – oft erratisch, voll manisch-depressiver Wechselhaftigkeit. Man könnte vermuten, er ringe in seiner Musik um die eigene Gesundheit, um die Integration verschiedenster Zustände in eine Identität. Es geht in dieser szenischen Konzerterzählung also nicht nur um das Schwarzweiß eines bi-polaren Leidens, es geht auch um die großen Fragen des „guten, gesunden Lebens“ an sich. Wie finden wir mit der Musik einen Umgang mit einem seelischen Leiden? Wie sollen wir leben, ausgesetzt diesen Zuständen, von einem zum anderen…? Wie integrieren wir das Eine im Anderen?

Fragen der seelisch-geistigen Gesundheit sind aktueller und brennender denn je. Robert Schumann, der in jungen Jahren in Heidelberg sich zu seiner musikalischen Berufung durchrang, dient uns als Folie und Vorlage, um von seinem Werk ausgehend bis in die Gegenwartsmusik hinein eine intensive szenisch-musikalische Suche zu starten. Dabei spielen insbesondere die Themen unserer Generation (einer in vielen emotionalen Polaritäten zerrissenen Generation), die eigenartig einhergehen mit den Obsessionen des jungen Schumanns, zentrale Rollen: Aufbruch und Unsicherheit, Zerstreuung und Ehrgeiz, Rausch und Rastlosigkeit.

Aufführungen in der Württembergischen Landesbühne Esslingen im Rahmen des PODIUM Festival 2016:

Samstag, 16. April, 18 Uhr / TICKETS
Montag, 18. April, 20 Uhr / TICKETS 

Eine Koproduktion mit dem Musikfestival Heidelberger Frühling, mit freundlicher Unterstützung der Karl-Schlecht-Stiftung.

Hinterlassen sie einen Kommentar

Schließen
Schließen