Das Hören Sehen


Musik in Interaktion

Alle Sinne schärfen sich als aus vollkommener Dunkelheit der erste Satz der Sonate No. 2 in A-Dur Johann Sebastian Bachs erklingt. Wessen Finger liegen auf den Violinensaiten und wessen Finger sind es die über die Klaviatur gleiten? Magnus Hansen (Violine) und Mathias Halvorsen (Klavier) sind versierte und leidenschaftliche Dunkelmusiker, spätestens seit den Konzertreihen der Dunkelkonzerte in Esslingen und Norwegen.

Die Music animation machine Stephen Malinowskis kommt zum Einsatz als das Dunkelmusikerduo den dritten Sonatensatz spielt: Je nach Lautstärke des gespielten Tones reihen sich größere und kleinere Punkte perlenschnurartig auf Linien und nähern sich dem darauffolgenden Punkt bzw. der darauffolgenden Note an. Die Tonhöhe bestimmt die Höhe der Linie. Die Leinwand scheint einen Blick über die Schulter der Musikerinnen und Musiker in eine abstrakte Variante ihrer Partitur zu gewähren. Dieser Blick ermöglicht einerseits die gespielten Töne simultan nachzuverfolgen. Darüber hinaus kann das zuhörende und –schauende Publikum erahnen wie die Melodie anschließend verlaufen wird- ein Spiel der Fantasie! Ob die gespielten Töne jenen der Vorstellungskraft entsprechen?

Damit Animationen  im Takt der gespielten Noten zu erscheinen, bedient Etienne Abelin, der durch den Abend führt, eine Siemens-Drehkurbel im Rhythmus. Die Musikerinnen und Musiker bestimmen den Takt, die Animationen folgen.

Dieses Procedere kehrt sich während des nächsten Stückes um: Auf der Leinwand erscheint ein Paar Hände, die sich der Melodie nach bewegen und zu dirigieren scheinen. Das Quartett aus Fleisch und Blut, bestehend aus Azadeh Magsoodi (Violine), Dana Zemtsov (Viola), Mathias Johansen (Cello) und Joachim Carr (Klavier), nimmt den virtuell vorgegebenen Takt auf und spielt den ersten Satz des Klavierquartettes Nr. 3 in c-moll von Johannes Brahms. Ein Akt höchster Konzentration für die Musiker zwischen Bildschirm und Notenblatt- für die Zuhörenden und –schauenden eine Klangerfahrung für den gesamten Wahrnehmungsapparat.

Interaktiv gestaltet sich der zweite Teil des Abends. Mathias Halvorsen stellte sich neben seiner gelegentlichen Beschäftigung als Dunkelmusiker als Forscher eines musikalischen Labors der besonderen Art vor. „Specially trained musicians“, stehen im Fokus seines Forschungsvorhabens und an diesem Abend auf der Bühne der Tanzschule La Scala. Neben dem Zuschauen und –hören ist körperlicher Einsatz gefragt: Versuchsprobanden aus dem Publikum können sich innerhalb des Quadrates bewegen – die Musiker spielen, je nach dem wie schnell und in welche Richtung sich die Laborgäste bewegen, hüpfend, springend oder liegend Töne verschiedener Lautstärke, Höhe und Länge. Welcher Algorhythmus liegt diesem Versuch zugrunde? Einige wagemutige Probanden haben sich auf die Suche nach Antwortmöglichkeiten begeben und mit den Musikerinnen und Musikern und ihren Bewegungen Musik gemacht.

Die kühnsten unter ihnen kamen ein zweites Mal zum Einsatz: Sie konnten selbst die Siemens-Kurbel bedienen und damit den Takt der Musikerinnen und Musiker angeben, als Dirigenten an der Kurbel. Der jüngste Publikumsproband des Abend wurde an diesem Abend in das Forschungsteam aufgenommen. Er drehte die Kurbel kurzerhand rückwärts. Was geschah? Das PODIUM-Festival wird sie über die neusten Forschungserkenntisse informieren…

 

https://www.youtube.com/watch?v=t-BZDAl9XHA&list=UUVv7vQdJlIFGaAxjUQJSzlw

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J. S. Bach: Sonate Nr. 2 A-Dur BWV 1015 – 1. Dolce

Magnus Hansen (Violine), Mathias Halvorsen (Klavier)

J. S. Bach: Sonate Nr. 2 A-Dur BWV 1015 (3. Andante un poco)

Magnus Hansen (Violine), Mathias Halvorsen (Klavier)

Luca Francesconi: Encore / Da Capo (1985/1995)

Emiliano Zenodocchio (Flöte), Miguel Pérez Iñesta (Klarinette),

Joachim Carr (Klavier), Artiom Shishkov (Violine), Leonard Disselhorst (Violoncello),

Philipp Lamprecht (Schlagzeug)

Johannes Brahms: Klavierquartett Nr. 3 c-Moll Op.60 – 1. Allegro non troppo

Azadeh Magsoodi (Violine), Dana Zemtsov (Viola), Mathias Johansen (Violoncello),

Joachim Carr (Klavier)

PAUSE

Johannes Brahms: Klavierquartett Nr. 3 c-moll Op.60 – 3. Andante

Azadeh Magsoodi (Violine), Dana Zemtsov (Viola), Mathias Johansen (Violoncello),

Joachim Carr (Klavier)

W. A. Mozart: Streichquintett N. 4 g-Moll KV 516 – 1. Allegro

Mathieu van Bellen, Magnus Hansen (Violinen), Sander Stuart,

Dane Zemtsov (Viola), Simone Drescher

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