Größenwahnsinn? Spektakel!


Die Hasenrennbahn ist die Attraktion des Tages. Schon seit dem frühen Morgen stehen entzückte Schulmädchen vor den Käfigen und betrachten die Kaninchen, die später waghalsig über Hindernisse aus buntem Holz hoppeln werden. Drum herum der Wochenmarkt: zwischen Blumentöpfen, Käsewägen und Gemüseständen gehen die Esslinger spazieren und kaufen für das Wochenende ein. Es weht ein eisiger Wind, doch vier junge Mädels trotzen den Temperaturen. Mit einem Lächeln auf den Lippen verteilen sie Flyer für das heutige Konzert in der Stadtkirche St. Dionys, „Orient Okzident“. Musik von Paris bis Yerevan, unter anderem das bereits viel beworbene, sehr beeindruckende Werk „Tehillim“ von Steve Reich – das alles unterstrichen von einfühlsam gestalteten Lichtinstallationen, die seit gestern Abend eingerichtet wird. Jetzt, am späten Nachmittag, läuft noch der Soundcheck. Gleichzeitig organisiert ein Team die Technik für den Paris-Zagreb-Riga-Jerusalem-Baku Jam, der später am Abend im LUX, der PODIUM-Stammkneipe, stattfinden wird. In der Musikschule werden mit Schulkindern Cajons gebaut.

Auf dem Marktplatz ahnt man es also kaum, doch: das PODIUM ist nun in vollem Gange!

Erst recht nach gestern Abend, als das Festival offiziell im Bürgersaal im alten Rathaus eröffnet wurde, mit Schubert, Hummel und Chausson, dazwischen Reden, danach Sekt. Nebst einer fein austarierten Beleuchtung bereicherten drei große, in Rottönen gehaltene Podium-Stoff-Bahnen den Raum. Wunderbare Kammermusik vor Fachwerk, fröhliche Dankesansprachen und Einlagen vom Crazy Duo – so hat ein Eröffnungskonzert zu sein!

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Nach einem schnellen Umbau dann der Stimmungswechsel zum zweiten Konzert. Philippe Hersants „Im fremden Land“, darin integriert Rilke-Gedichte. Eine Stunde abgründiger Totentänze und Nachdenklichkeit, die irgendwie an Schubert erinnerte, womit wieder ein herrlicher Bogen zum Beginn des Konzertes geschlagen wäre.

Ein besonderer Abend – und auch der Ablauf der gestrigen Konzerte war laut Abendspielleitung höchst zufriedenstellend: Kurzzeitig fehlende Objektive und Stative konnten wiedergefunden werden, der überschüssige Sekt musste nicht weggeschüttet werden (dank des tatkräftigen Einsatzes der Catering-Damen), die Technik und alle Utensilien landeten wieder an ihrem Platz und es wurden sogar T-Shirts verkauft!

Nun bleibt die Vorfreude auf zwei grandiose Konzerte heute Abend, die Hoffnung auf besseres Wetter morgen und ein wenig Aufregung ob des Konzertes im Eisenlager, das dem Tatort die Show stehlen wird.

Auf dem Marktplatz sind vom Kleintiermarkt noch ein paar Strohhalme zu sehen.

 

Gastbeitrag von Marie König

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