PODIUM im Radialsystem!


Ein Gastbeitrag von Maria Reich

Einen großen Erfolg feierte das PODIUM Esslingen jetzt in Berlin. Die exzellenten jungen Musiker waren im Rahmen einer Kooperationsveranstaltung mit der KPMG am Dienstag, 4. November 2014 zu Gast im Radialsystem V, einem der innovativsten Veranstaltungsorte in Berlin. Mit einer perfekt durchkomponierten kammermusikalischen Performance — mit Werken von Bach über Steve Reich bis Akhio – in einer Halle mit mehreren Bühnen, einem Klangkreis und eindrucksvollen Lichteffekten begeisterten acht junge PODIUM-Künstler mit ihrem Können das Publikum. Als Special Guest gab sich der Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker Albrecht Mayer die Ehre und spielte mit dem Komponisten und Klangkünstler Fabian Russ das von diesem komponierte Stück für Oboe und Elektronik. Im zweiten Teil des Konzert-Abend lud das PODIUM zur Jam-Session. Bis Mitternacht spielten die Musiker in lockerer Atmosphäre und zeigten nicht nur die gesamte Bandbreite ihres Könnens, sondern motivierten viele andere begabte Musiker und Sänger-/innen zum Mitmachen auf der Bühne.

 

Vormittags finden wir uns im ehemaligen Abwasserpumpwerk unweit des Ostbahnhofs ein, um letzte Vorbereitungen zu treffen. Vor den Türen des rötlichen Backsteinbaus der rauschende Fluss, vom anderen Ufer grüßt die Bundesverwaltung von ver.di mit einem roten „Mindestlohn“-Slogan. Noch ist es leer im Foyer, die Bar verlassen. In der Konzerthalle werkeln ein paar Techniker und die Musiker proben konzentriert Akiho. Radialsystem, du junge alte Perle an der Spree! Wie mir dein Charme gefehlt hat.

Nach dem Konzert gerät der Geiger Ilias ins Visier der Kamera. Er beschreibt, was für ihn eine solche Veranstaltung ausmacht:

After being part of PODIUM four years now […] whenever such an event happens […] they are always unique and I don´t know how to describe them, so – I call it just podium style.“

An diesem Dienstag darf ich das erste Mal dabei sein als es heißt: plan into action und zwar podium style.

Für mich ist Podium wie Kneten. Anstatt immer aufs Neue eine Marmorstatue in einem Hochglanzsaal zu inszenieren, liegt vor uns ein Klotz Knetmasse, duftend, bunt und geschmeidig, und dann legen wir erstmal los. Da kommt man auf Ideen! Das lässt sich so schön ziehen und drehen und kugeln und, wenn es einem nicht gefällt, auch wieder zusammenrollen. Aber das ist doch ernstzunehmende klassische Musik!, wird da mancher meinen. Mit Klassik spielt man nicht!

Sind wir zu naiv? Wir fragen uns und wir glauben, manchmal ist naiv gut. Es lässt einen noch träumen und Fragen stellen, da, wo andere nicht mehr nachhaken. Es waren Kinder, die riefen: Der Kaiser ist ja nackt! Und vielleicht müssen es Kindsköpfe sein, die sagen: Die Statue ist ja ganz starr! Das Konzert braucht Akteure, die sich nicht in abgeschmackte Gewohnheiten kleiden, sondern die Hüllen fallen lassen, um zum pulsierenden, warmen Herzblut durchzudringen.

Dabei zeigt sich der Abend in recht geheimnisvollem Licht. Es geht los, bevor es überhaupt begonnen hat und endet, als die ersten wieder den Heimweg angetreten haben. Die Besucher baden bereits im Klang, als sie sich ihren Platz für den Abend suchen. Die Schattengestalten hinter dem Fadenvorhang betören mit ihren tanzenden Bewegungen während des Martinu-Duos. Vom Sockel in der Höhe erklingt eine Klarinette, begleitet von vielen Tonbandklarinetten, Steve Reich, immer wieder. Und man fragt sich, mit wem konzertiert der Mann da? Ein Stück fließt ins andere. Die Akiho-Interpretation des Quintetts ist Rhythmus-Rausch pur. Die Zuschauer applaudieren, manchmal, und wir wissen nicht recht, ob wir´s wollen oder nicht. Wollen wir?

Hinter den Kulissen herrscht reges Treiben und es packt auch mal ein Musiker an (auch das ist Podium Style!), um das Vibraphon zu verstellen. Wir rauschen hin und her, rauf und runter, bis alles am rechten Platz ist und ich beneide etwas die Zuhörer um ihre Kontemplation. Im Handumdrehen ist der lang geplante Abend vorbeigerauscht. Für mich bleiben viele neue Gesichter und Begegnungen und die Freude, so etwas nun öfters ganz nah dran zu erleben. Happiness is being part of the gang.

Auf der Homepage des Radialsystems flüstert es versteckt aus einer Zeile: „Hier tanzt die Musik!“

Wie sie will!“, können wir dem Radialsystem zuraunen. Und deshalb passen wir auch so gut zusammen.

Den Podcast zu RA/DIUM gibt es hier!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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